Wer über die besonderen Wohngemeinschaften in Geel berichten will, muss Geduld haben – wird am Ende aber mitunter reich belohnt: Fast ein ganzes Jahr mussten Reporter Joshua Kocher und Fotograf Rémy Vroonen warten, ehe sie für Psychologie Heute eine der Gastfamilien für psychisch Kranke in der belgischen Stadt besuchen durften. Als es im Januar 2024 endlich klappte, waren sie „umso beeindruckter von der Herzlichkeit und Offenheit, die ihnen die Menschen während ihrer Recherche entgegenbrachten“, wie Kocher selbst es im Nachhinein beschrieb.


Inklusion im gesellschaftlichen Kontext
Joshua Kocher haben wir 2022 als Autor für Psychologie Heute gewinnen können, nachdem wir auf seine hervorragenden Reportagen aufmerksam geworden waren. Für seine Arbeit ist der in Freiburg lebende Journalist seitdem mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden. So hat er im vergangenen Jahr den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus in der Kategorie Nachwuchs erhalten sowie den Deutschen Journalistenpreis für „Wie die Zukunft wachsen kann“ (GEO) und ist in diesem Jahr für den Axel-Springer-Preis nominiert.
Rémy Vroonen wuchs in Südfrankreich auf und zog 2017 für einen Job in einer Fotoagentur nach Freiburg. 2023 studierte er Fotojournalismus an der DMJX im dänischen Arhus und arbeitet seitdem als freier Fotograf unter anderem für das Süddeutsche Zeitung Magazin und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Im Reporterbüro Süd, in dem Joshua Kocher arbeitet, betreibt Vroonen eine Dunkelkammer und gibt Workshops. Der Medienpreis ist seine erste Auszeichnung. Da ein Teil seiner Familie in Belgien lebt, hat er sich sehr gefreut, in Geel fotografieren zu können.


Herbert Pichler-Inklusions-Medienpreis in vier Kategorien verliehen
Ausgezeichnet werden „Beiträge, die Inklusion in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einbetten. Sie weisen nicht nur auf Missstände hin, sondern zeigen auch (neue) Ansätze auf, die Inklusion vorantreiben“, so der Verein. Der Preis wurde in diesem Jahr zum vierten Mal verliehen.
In der Kategorie Fernsehen erhielt Andrea Schuler den diesjährigen Preis für ihren ZDF-Beitrag „Ich arbeite gerne im Seniorenheim“. In der Kategorie Radio zeichnete die Jury das Ö1 Radiokolleg-Team für die Sendereihe „Öffentlich, sichtbar, inklusiv“ aus. In der Kategorie Digitale Medien gewann Lea de Gregorio mit ihrem Beitrag „Vom Gefühl, mehr leisten zu müssen als andere“ (Zeit Online). Zusätzlich wurden zwei Anerkennungspreise vergeben, an Bertram Weiß – für „Forschen ohne Gehör“ (P.M. Magazin) – sowie an Anna Mark für „Sonderschule als Streitfrage“ (ORF Topos).
Der Herbert Pichler-Inklusions-Medienpreis wurde nach einer Idee der ORF-Redakteurin Čedomira Schlapper ins Leben gerufen, wie es in einer Presseinformation des verleihenden Vereins heißt. „Er soll die großen Leistungen von Herbert Pichler, dem im April 2021 bei einem tragischen Unglück verstorbenen früheren Präsidenten des Österreichischen Behindertenrates, würdigen und die Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion erhöhen.“
Bereits der zweite Preis für eine Psychologie Heute Reportage
Es ist bereits die zweite Auszeichnung für eine Psychologie Heute-Reportage. 2023 erhielt Helena Weise den Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) für ihre Reportage „Und morgen vielleicht von vorn“ (erschienen in Psychologie Heute 11/2022). Es war der erste Beitrag einer neuen Reihe, die Psychologie Heute 2022 initiiert hatte.
Die Redaktion hat sich damals entschlossen, der Reportage, die als „Königsdisziplin“ unter den journalistischen Genres gilt, mehrmals im Jahr einen großzügigen, festen Platz im Magazin einzuräumen. Wir sind davon überzeugt, dass sich über diese Darstellungsform gesellschaftlich relevante Themen aus Psychologie, Psychotherapie und verwandten Bereichen noch greif- und fühlbarer vermitteln lassen als durch andere Genres.
Neben den teils sehr aufwendig recherchierten Texten, die journalistische und psychologische Expertise vereinen müssen, sind es auch die hochwertigen Fotografien, die diese Strecke im Heft besonders auszeichnen. Für jede Reportage beauftragen wir teils mehrere Fotografen oder Fotografinnen, die die Personen, die wir bei dem jeweiligen Thema begleiten, auf einfühlsame Weise porträtieren. Der häufig geäußerte Wunsch nach Anonymität ist dabei eine besondere Herausforderung für die fotografische Arbeit.
Sie wollen mehr Reportagen lesen? Mit unseren Reportagen wollen wir gesellschaftlich relevante Themen aus Psychologie und Psychotherapie noch greif- und fühlbarer vermitteln, als andere journalistische Genres es vermögen. Wir erzählen persönliche Geschichten, aus dem gewöhnlichen Leben und begleiten dafür Betroffene und Behandelnde in ihrem Alltag. Alle Reportagen finden Sie hier.