Junge US-amerikanische Leistungssportlerinnen und -sportler erholten sich umso schlechter von einem körperlich stark fordernden Training, je müder sie danach waren. Der Grund: Die zu große physische Erschöpfung verschlechterte ihre Fähigkeit, sich vom Sport vorübergehend emotional und gedanklich zu lösen. Das beeinträchtigte ihre gesamte, also auch die körperliche Erholung.
Die Forscher sehen darin arbeitspsychologische Studien bestätigt, die nahelegen: Zu langes Arbeiten macht bei Arbeitnehmern die gedankliche und emotionale Loslösung vom Job sehr schwer und gefährdet so die Erholung. Das Sich-Loslösen von der Arbeit gilt in der psychologischen Forschung als sehr wichtig, um sich überhaupt zu erholen.
In einer zweiwöchigen Tagebuchstudie erfassten die Forscher zum einen die körperlichen, emotionalen und kognitiven Anforderungen des Trainings der 29 Sportlerinnen und 56 Sportler aus den Disziplinen Schwimmen, Volleyball, Fußball, Beachvolleyball und Bogenschießen. Erhoben wurde zudem, wie erschöpft die Teilnehmenden am Abend waren und inwieweit es ihnen gelang, sich in den Pausen emotional, gedanklich und körperlich von ihrem Sport zu lösen.
Die Wissenschaftler sehen ihre Vermutung bestätigt, wie wichtig das gedankliche und emotionale Loslösen auch für die Erholung des Körpers ist. Sie verweisen auf weitere Forschungen, wonach sehr hohe körperliche Anforderungen im Leistungssport den Schlaf verschlechtern – auch das lasse sich übertragen auf zu hohe Arbeitsanforderungen.
Yannick A. Balk, Jan de Jonge: The “underrecovery trap”: When physical fatigue impairs the physical and mental recovery process. Sport, Exercise, and Performance Psychology, 2020. DOI: 10.1037/spy0000249