www.psychologie-heute.de | Themen & Trends in Heft 2/10
THEMEN & TRENDS HEFT 2/10

Die positiven Effekte des Internets

Neue Studien belegen, dass Teenager sozial und intellektuell von digitalen Medien profitieren

Jugendliche, die täglich viele Stunden im Internet verbringen, werden einsam und vergeuden wertvolle Zeit, die sie zum Lernen und für persönliche Kontakte nutzen könnten. Dies war lange Zeit die vorherrschende Meinung in der psychologischen Literatur. In der letzten Zeit jedoch scheinen die Wissenschaftler ihre Vorbehalte gegenüber digitalen Medien zu revidieren. In einem Übersichtsartikel beleuchten Patti Valkenburg und Jochen Peter von der Universität von Amsterdam den Perspektivwechsel in den letzten 15 Jahren.

Während mehrere Studien aus den 1990er Jahren zeigten, dass sich intensive Internetnutzung negativ auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen auswirkt, kommen Untersuchungen aus der jüngeren Zeit zu einem gegensätzlichen Ergebnis: Das Internet verbessert die soziale Verbundenheit und dadurch auch das Wohlbefinden der Teens.

Wie lassen sich die widersprechenden Resultate erklären? Die Cyberwelt von heute, argumentieren Valkenburg und Peter, sei nicht mehr mit der Situation in den 1990er Jahren zu vergleichen.

Früher war digitales Surfen ein Minderheitenphänomen; jugendliche Internetnutzer gehörten zu einer kleinen, isolierten Gruppe und kommunizierten online vornehmlich mit Fremden. Heute dagegen werden Instant Messaging und soziale Netzwerke von der überwiegenden Mehrzahl der Jugendlichen genutzt, wobei der Austausch vor allem zwischen Freunden stattfindet. Weil es vielen Jugendlichen, insbesondere Jungen, leichter fällt, Gefühle, Unsicherheiten und Träume online zu offenbaren, hilft ihnen das Internet, Freundschaften zu vertiefen und befriedigender zu gestalten.

Zu einem ähnlich positiven Ergebnis kommt eine der bislang umfangreichsten US-amerikanischen Studien von der MacArthur Foundation. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchten 28 Forscher die Internetnutzung von 800 jungen Leuten: Sie führten Interviews mit den Teilnehmern und ihren Eltern, beobachteten, was die Teenager auf Facebook, MySpace und anderen Netzwerken so taten, und ließen sie Internettagebücher führen. Das Fazit:

Jugendliche eignen sich in der Cyberwelt wichtige soziale, technische und intellektuelle Fähigkeiten an. Die jungen Leute seien meist sehr motiviert, per Onlinekontakt von ihren Peers zu lernen. Sie schätzten die selbstgesteuerte Informationssuche, die sich fundamental vom typischen Schullernen unterscheide. Manche stiegen dank Internet tief in Interessengebiete wie Astronomie, kreatives Schreiben oder exotische Sprachen ein.

Die Wissenschaftler wollen ihre Studien allerdings nicht als Glorifizierung des Internets missverstanden wissen. Valkenburg und Peter warnen, dass die enthemmende Wirkung des Internets auch negative Folgen in Form von Onlinebeleidigungen oder Cyberbullying haben kann. Die Studie der MacArthur Foundation weist auf die Schwierigkeit hin, die eigene Onlineidentität in Form von Profilen, Fotos, Filmen und Nachrichten zu kontrollieren. Auch würden die Informations- und Lernmöglichkeiten des Netzes bei weitem nicht von allen Jugendlichen ausgiebig genutzt.

Von Annette Schäfer

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Notizen

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