www.psychologie-heute.de | Hilarion Petzold im Porträt
DAS PORTRÄT
HILARION PETZOLD

Ein Universalgelehrter der Psychologie

Ein Porträt von Ulfried Geuter

Psychotherapie ist für ihn keine Technik, die Menschen hilft, sich besser anzupassen. Der Psychotherapeut Hilarion Petzold hat immer auch die gesellschaftlichen Verursachungen von Leid, Entfremdung, Krankheit, Verelendung im Blick. Sein Ziel ist, Professionalität mit Humanität zu verbinden

Sein wissenschaftliches Werk ist von einer Breite, die für einen einzelnen Wissenschaftler im Bereich der Psychotherapie einzigartig ist. Und von einem Umfang, dass es ein eigenes Studium ausfüllen kann. Will man Hilarion Petzold porträtieren, weiß man wirklich kaum, wo man anfangen und wo man aufhören soll. In Frankreich, Holland, Österreich und der Schweiz war Petzold Professor, er baute therapeutische Ausbildungsgruppen in Spanien, Norwegen oder Jugoslawien auf, bildete Coaches bei den Škoda-Werken in Tschechien aus und spricht zahlreiche europäische Sprachen, in denen er auch lehrt.

In vielen Bereichen war Petzold der Erste: In Paris gründete er 1967 die erste Wohngemeinschaft für Drogenabhängige in Europa, ein Jahr später die erste Alten-WG. Er supervidierte 1972 das erste Methadonprogramm für Drogenabhängige in der BRD, initiierte 1971 erste Gruppen von „Grauen Panthern“ und gehörte zu denen, die Gestalttherapie, Psychodrama, Transaktionsanalyse und Bioenergetik in Deutschland verbreiteten. Keine 30 Jahre war er alt, als er mit Johanna Sieper und Hildegund Heinl das „Fritz-Perls-Institut für Integrative Therapie, Gestalttherapie und Kreativitätsförderung“ in Düsseldorf aufbaute. Später initiierte er Fachgesellschaften für Gestalttherapie, Integrative Bewegungstherapie, therapeutisches Puppenspiel, Kunsttherapie, Poesie- und Bibliotherapie und den ersten schulenübergreifenden Dachverband, die „Arbeitsgemeinschaft psychotherapeutischer Fachverbände“. Seit 1982 leitet er die „Europäische Akademie für psychosoziale Gesundheit“ im bergischen Hückeswagen, eine staatlich anerkannte Einrichtung der beruflichen Weiterbildung. Er arbeitete mit Kindern, Alten, Psychotikern, Süchtigen und schwer traumatisierten Menschen.

Hilarion Petzold wollte nie eine Therapieschule gründen. Aber mit seiner Integrativen Therapie hat er die theoretische Arbeit eines Enzyklopädisten geleistet und in der Praxis so vieles zusammengeführt wie wohl kein anderer in seinem Fachgebiet.

In seinem Elternhaus fand Petzold die Bausteine für seine Art der Therapie. Von der Mutter, die Musik- und Theaterwissenschaften studiert hatte, erbte er das Kunstverständnis. Er lernte Flöte, Gambe und Laute und spielt bis heute die Theorbe, eine Basslaute. Zu Hause wurden Puppen gebastelt, musiziert, gemalt. Vom Vater lernte er russischen Kolo, eine Kampfkunstsportart, die er immer noch praktiziert. Der Vater, ein Agronom, lehrte ihn auch die wissenschaftliche Denkweise, wenn er bei Spaziergängen im Neandertal Paläontologie und Prähistorik erklärte und die Pflanzen mit ihren lateinischen Namen benannte.

Beide Eltern waren ehrenamtlich in der Suchtkrankenhilfe tätig. Zusammen mit seiner Schwester begleitete der kleine Hilarion sie manchmal zu ihren Gruppen; mit der Schwester spielte er als Kind auch für Menschen im Altenheim Puppentheater. In der Nazizeit hatte der Vater den Kriegsdienst verweigert und aus dem Wehrmachtsgefängnis geschrieben: „Man muss die Menschen lieben, um nicht an ihnen zu verzweifeln.“ Die Mutter war damals Mitglied in der Bekennenden Kirche. Nach dem Krieg engagierten sich die Eltern bis ins hohe Alter in der Friedensarbeit.

Es hat mit diesem Elternhaus zu tun, dass Petzold als Psychotherapeut bis heute das Leid des Einzelnen immer auch vor dem Hintergrund der Ungerechtigkeit in der Welt sieht. Psychotherapie soll in seinen Augen eine politisch bewusste, „engagierte, kulturkritische Humantherapie“ sein und keine reparative Technik, die Menschen nur hilft, sich besser anzupassen. In seiner Theorie gibt es daher, im Unterschied zu manchen anderen Psychotherapieverfahren, Begriffe wie Frieden, Menschenrechte, Patientenwürde und Werte. Und eine Kritik an den „gesellschaftlichen Verursachungen von Leid, Entfremdung, Krankheit, Verelendung“. Petzold will, wie er schreibt, Professionalität mit Humanität verbinden.

Eigentlich wollte Hilarion Petzold tropische Landwirtschaft studieren. Daher verließ er das Gymnasium und machte eine Landwirtschaftslehre, musste sie aber nach einem schweren Unfall abbrechen. Das Interesse daran hat er bis heute bewahrt. In den 1970er Jahren kaufte er eine Finca auf La Palma, wo er selbst mit dem Traktor die Weinberge terrassierte und Amazonas-Aras zu züchten begann. Zwei- bis dreimal im Jahr ist er mehrere Wochen dort, kümmert sich um die Landwirtschaft und schreibt in der Ruhe der Natur seine Werke. Natur ist für ihn der Ort der Regeneration.

Noch etwas bekam er zu Hause mit, das sein Wissenschaftlerleben prägte: Petzold ist ein Europäer. Der Vater seiner Mutter stammte aus Flandern, die ersten Lebensjahre verbrachte er in Frankreich. Die väterliche Familie kommt aus Russland und Polen, mit den Großeltern sprach man Russisch. Zu Hause wurden Tolstoi und Kropotkin gemeinsam gelesen. So wuchs er in einer deutschen, slawischen und französischen Kulturwelt auf. Französische Philosophen und russische Psychophysiologen zählen heute für ihn zu den großen Referenztheoretikern seiner Integrativen Therapie.

Hilarion Petzold kennt die Menschen nicht nur aus dem Experimentallabor oder dem Therapieraum, sondern aus konkreter helfender Begegnung. Als er 19 war, setzte er sich nach einem Erdbeben in Skopje mit Freunden in seine Ente, den Citroën der Studenten, um bei Aufräumarbeiten zu helfen. Zwei Jahre später half er bei einer Flutkatastrophe in Zagreb. Danach fuhr er jedes Jahr nach Jugoslawien, lehrte dort Integrative Therapie und gründete ein Ausbildungsinstitut. Während des Balkankriegs setzte er bis nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens diese Arbeit fort, um Gruppen mit traumatisierten Menschen zu leiten und die Helfer zu unterstützen.

Petzold studierte in Paris russisch-orthodoxe Theologie, dann auch Philosophie und Psychologie. Paris bot ihm die großen Intellektuellen dieser Zeit: Michel Foucault, Paul Ricœur, Gabriel Marcel, Gilles Deleuze, Emmanuel Levinas, Lucien Goldman, Lucien Sève, Serge Moscovici. Wissenschaftler, die über die Grenzen ihrer Disziplinen, der Philosophie, Theologie oder Psychologie, hinausdachten. In ihrer Unterschiedlichkeit fand Petzold sie alle auf ihre Art überzeugend. Sie lehrten ihn, die Vielfalt des Denkens zu schätzen und Einseitigkeiten gegenüber misstrauisch zu sein.

Nach theologischer und psychologischer Dissertation wurde er Professor für Pastoralpsychologie in Paris. Diese Stadt war damals voller Anregungen. 1964 fand hier der erste Kongress für Psychodramatherapie statt. Auch Gestalt- und Bewegungstherapeuten lehrten in Paris. Petzold lernte sie kennen, machte eine ferenczianische Psychoanalyse bei Vladimir Iljine und fuhr auch in die USA, um an Blockkursen bei Jacob Moreno und Fritz Perls teilzunehmen. Er erlernte Gestalttherapie bei Dick Price am Esalen-Institut in Kalifornien, Gruppendynamik bei den National Training Laboratories in Bethel/Maine und ließ sich von Ola Råknes in Oslo Stunden in reichianischer Körperpsychotherapie geben.

Für seine therapeutischen Lehrer gilt für Petzold das Gleiche wie für seine akademischen: „Die Vielfalt war interessant.“ Keiner wurde für ihn zu einer Leitperson. Aber von allen lernte er etwas, das er in seine Konzeption psychotherapeutischer Praxis integrierte.

Hilarion Petzolds Integrative Therapie ist sowohl eine Rahmentheorie für die Psychotherapie allgemein wie auch ein psychotherapeutisches Verfahren. Anders als Verhaltenstherapie, Psychoanalyse oder Gesprächspsychotherapie hat die Integrative Therapie aber kein Modell mit einigen wenigen theoretischen Grundannahmen, aus denen sich ein bestimmtes therapeutisches Vorgehen ableitet. Petzold versteht sie vielmehr als ein Netz von Konzepten mit vielen Zentren des Wissens, zu denen Philosophie, Biologie und Neurowissenschaften, Sozialwissenschaften und Psychologie gehören. Denn eine Theorie des lebendigen Menschen müsse komplex sein, weil der Mensch als ein bio-psycho-soziales Wesen in einem ökologischen Kontext selbst komplex sei.

Petzolds Integrative Therapie bedient sich unterschiedlicher Kanäle der Kommunikation, mehrerer therapeutischer Medien wie Malen, Modellieren, Tanzen oder Puppenspiel und vieler verschiedener Methoden. Petzold spricht von den „fünf Zugangsweisen zum Menschen“: Körper, Seele, Geist, sozialer Kontext und ökologischer Kontext. Ihnen entsprechen Leibtherapie, Psychotherapie, Nootherapie (das heißt Geistiges, Sinn, Werte, Meditatives), Soziotherapie und Interventionen in den Lebenskontext eines Menschen als Bestandteile einer umfassenden „Humantherapie“.

„Im Zentrum des integrativen Ansatzes steht der altertümlich wirkende Begriff Leib“, schreibt Petzold in seinem Hauptwerk Integrative Therapie. Philosophisch begründet er dies mit dem Konzept des „inkarnierten Sinns“ von Maurice Merleau-Ponty und dem der Leiblichkeit von Gabriel Marcel: Der Mensch hat einen Körper und ist Leib; er kann sich selbst zum Objekt haben und Subjekt sein. Er ist immer ein „Leibsubjekt“ und niemals nur ein Wahrnehmender ohne Leib, wie ihn die akademische Psychologie vielfach sieht. Als Leibsubjekt nimmt er in jedem Moment des Lebens Informationen auf und wird so „informierter Leib“.

Dieses Konzept liegt zum Beispiel der therapeutischen Methode der Body Charts von Hilarion Petzold und Ilse Orth zugrunde, bei denen frei gestaltete Körperbilder gemalt werden. Das soll den Patienten helfen, „leibliche Gestimmtheiten“ und Bereiche sprachloser Erfahrungen zu erschließen, wahrzunehmen, was in den „Archiven des Leibes“ aufzufinden ist. Der Psychoanalyse hält Petzold entgegen, dass die multiple Stimulierung des Patienten, die sich der leiblichen Wahrnehmung und der verschiedenen Sinneskanäle bedient, weit mehr an Gedächtnisinhalten zutage fördere als eine rein assoziationsgeleitete Therapie.

Die Integrative Therapie betrachtet den Menschen immer in seiner Lebensspanne. Deshalb arbeitet Petzold zum Beispiel mit seiner Methode des „dreizügigen Lebenspanoramas“. Dabei sollen die Patienten malen, was ihnen in ihrem Leben gefehlt, was sie geschädigt und was ihnen gutgetan hat. Er geht dabei davon aus, dass Defizite, traumatisierende oder schmerzliche Erfahrungen und das Erleben von Rückhalt und Ressourcen das weitere Leben des Menschen prägen – Therapie als angewandte klinische Entwicklungspsychologie. Dem Gedanken, dass Menschen auf der Lebensstraße nicht allein, sondern „im Konvoi“ fahren, so ein häufig von Petzold verwendetes Bild, trägt er dadurch Rechnung, dass er sie auch ihre Netzwerke malen lässt und als Teil der Therapie an einer heilsamen Veränderung dieser Netzwerke arbeitet.

Petzold gehört auch zu den Pionieren der Lauftherapie. Darüber forschte er bereits in den 1970er Jahren. Wie er mit seinen Mitarbeitern herausfand, ist diese übungszentrierte Form der Psychotherapie bei Depressionen gleichermaßen wirksam wie Psychopharmaka. So schlägt sich in seiner Praxis nieder, dass er den Menschen als ein bio-psycho-soziales Wesen ernst nimmt. Das gilt auch für die Traumatherapie: Traumatisierte Menschen müssten sich auch körperlich von den stressphysiologischen Folgen der Traumata erholen und bräuchten dazu beides: biologische Regeneration und mitmenschlichen Trost. Und soziale Unterstützung, die ihnen hilft, sich in der realen Lebenswelt wieder zurechtzufinden.

Hilarion Petzold geht in der Psychotherapie wahrlich viele Wege. Aber keinen nimmt er im Laufschritt. Überall schaut er sich gründlich um, studiert die Einzelheiten und verschafft sich einen Überblick. Bis er alle Wege des jeweiligen fachlichen Feldes und deren Verbindungen untereinander kennt. Einer seiner zentralen Leitbegriffe lautet daher „Konnektivierung“. Denn das „eigentliche Anliegen von Wissenschaft“ sei, „Beziehungen zwischen Bereichen oder Gegenständen der Realität aufzuzeigen“.

Petzolds Wissenschaftssprache zeichnet sich aus durch Leitbegriffe, die jenseits der einzelnen Disziplinen gelten. Neben dem Begriff der Konnektivierung benutzt er oft den der „Transversalität“, worunter er ein offenes, nichtlineares, prozessuales Denken in vielen Formen und in beständiger Veränderung versteht. Andere Begriffe sind der „Polylog“, die Rede nach vielen Seiten mit vielen Gesprächspartnern, die „Kokreation“, das gemeinsame Schaffen von etwas, oder die „Korespondenz“, der wechselseitige Bezug. Seine zahlreichen Schriften quellen über vor kreativer Begrifflichkeit und Programmatik, immer geht er ins Grundsätzliche. Rastlos zählt er seine Referenztheoretiker auf, wird nicht müde, die Listen derer zu verlängern, mit deren Denken er übereinstimmt oder mit denen er Dissens hat, und zitiert doch am häufigsten eigene Arbeiten, die er zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet hat, weil ein Text, wie er sagt, auf den anderen aufbaut.

Bei so viel Wissen ist er nicht nur ein begehrter, sondern manchmal auch ein gefürchteter akademischer Diskussionspartner, da er zu jeder These eines anderen mühelos wissenschaftlich gut unterfütterte Gegenthesen begründen und durchaus heftig in die Kontroverse gehen kann. Im Gespräch ist Petzold bescheiden. Hält er aber Ansichten anderer für nicht genügend fundiert, kann er heftig angreifen. Schätzt er sie, geizt er nicht mit Lob.

In der deutschsprachigen klinischen Psychologie hat Petzold eine Ausnahmestellung, nicht nur weil er von 1979 bis zu seiner Emeritierung Professor für Psychologie, Klinische Bewegungstherapie und Psychomotorik in Amsterdam war und blieb und nie an eine deutsche Universität wechseln wollte. Aufgrund seiner therapeutischen Orientierung hätte er ohnehin nicht so leicht in die Welt der deutschen akademischen Psychologie gepasst, die verhaltenstherapeutisch beherrscht ist. Seit Jahrzehnten stieß er wie keiner vor ihm das schulenübergreifende Denken in der Psychotherapie an und musste feststellen, dass gerade in Deutschland angesichts der Macht- und Denkkartelle der kassenzugelassenen Therapieverfahren wenig Austausch in Gang kam.

An seinem Lehrstuhl an der Freien Universität Amsterdam konnte er die Psychotherapie mit der wissenschaftlichen Psychologie, der Psychomotorik, den Traditionen der Psychophysiologie und mit einer praktisch-klinischen Arbeit verbinden. In Bern lehrte er viele Jahre als Gastprofessor bei Klaus Grawe erlebnisaktivierende Psychotherapieverfahren. Solche Bedingungen hätte er in der deutschen Klinischen Psychologie nicht so leicht finden können. Nach seiner Emeritierung in Amsterdam setzt er seine universitäre Lehrtätigkeit in den Bereichen Psychotraumatologie und Supervision an der Donau-Universität Krems in Österreich fort, Europas einziger staatlicher Weiterbildungsuniversität, an der neben der Integrativen Therapie auch Konzentrative Bewegungstherapie, Psychodrama, Integrative Gestalttherapie, Logotherapie und Klientenzentrierte Psychotherapie gelehrt werden.

Petzold allerdings geht es weniger um die Lehre der Integrativen Therapie als einer Schule, weil Schulen zu Dogmatismus neigen. Ebenso wenig will er selbst als Schulengründer gesehen werden. Denn „die Zeit der Schulengründer sollte vorbei sein“. Er gestattet es daher auch nicht, dass irgendwo ein „Hilarion-Petzold-Institut“ gegründet wird.

Seine akademische Heimat sieht Petzold in einer allgemeinen klinisch-psychologischen Psychotherapie, die sich dem Integrationsgedanken verschreibt, wie dies auch sein verstorbener Freund Klaus Grawe aus Bern in den letzten Jahren tat. Die Integrative Therapie ist daher auch etwas anderes als die neue, fast modische Rede von Integration, bei der es in Deutschland vielfach darum geht, dass die etablierten Schulen lediglich Methoden der nicht etablierten Psychotherapieverfahren ihrem Vorgehen hinzufügen, um ihr begrenztes Behandlungsrepertoire zu erweitern. Integration ist für Petzold vielmehr durchdachte Theorie und Praxis. Sie ist zugleich die Leistung eines Mannes, den man als einen der wenigen Universalgelehrten in der Psychologie bezeichnen mag, der gar nicht anders konnte, als die vielfältigen Bestandteile seines Wissens zu vernetzen, wenn er nicht simplifizieren wollte. Er schreibt selbst: „Aufgrund der verschiedenen, jeweils für mich überzeugenden Erfahrungen, die ich machen konnte, wurde die Integration der unterschiedlichen Wissensbestände und methodischen Wege der ‚Schulen‘ für mich eine persönliche Aufgabe.“ Die vielen Äste des Baums der Wissenschaft, die vielen Wege des Denkens, die vielen Landschaften der Theorie gehören zum Leben dieses Denkers.

Ein großes Werk

Das Gesamtverzeichnis der wissenschaftlichen Veröffentlichungen Hilarion Petzolds von 1965 bis 2007 zur Psychologie, Psychotherapie, Pädagogik und Sozialwissenschaft umfasst über 800 Titel. Hinzu kommen Veröffentlichungen auf den Gebieten Landwirtschaft, Theologie, Philosophie und Orientalistik wie über altserbische Kirchenmusik oder Geisteskrankheiten im byzantinischen Eherecht.

Die Summe seines psychotherapeutischen Schaffens ist niedergelegt in den drei Bänden Integrative Therapie (Junfermann), die Arbeit mit kreativen Medien in zwei Bänden Die neuen Kreativitätstherapien (mit I. Orth, edition sirius), die supervisorische Arbeit in Integrative Supervision (Verlag für Sozialwissenschaften), die Arbeit mit Süchtigen in zwei Bänden Integrative Suchtarbeit (mit P. Schay und W. Scheiblich, Verlag für Sozialwissenschaften), seine gerontologische Arbeit in zwei Bänden Mit alten Menschen arbeiten (Pfeiffer bei Klett-Cotta). Mit Büchern wie Methodenintegration in der Psychotherapie (Junfermann), Die Mythen der Psychotherapie (mit I. Orth, Junfermann), Therapieschäden – Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie (mit M. Märtens, Grünewald), Sinn, Sinnerfahrung, Lebenssinn (mit I. Orth, 2 Bände, Aisthesis) leistete er thematische Pionierarbeit. Sein neuestes Werk: Der Wille, die Neurowissenschaften und die Psychotherapie (mit J. Sieper, 2 Bände, Sirius Verlag). Zum 25-jährigen Jubiläum der Europäischen Akademie für Psychosoziale Gesundheit und Kreativitätsförderung (EAG) erschien 2007 zugleich als Festschrift für Hilarion Petzold Neue Wege Integrativer Therapie. Klinische Wissenschaft, Humantherapie, Kulturarbeit (hg. v. J. Sieper, I. Orth, W. Schuch, edition sirius).

© Psychologie Heute 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Psychologie Heute 2/2008, Seite 36 ff. Heft 2/08 bestellen

Fotos: Stefan Blume

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Otto Kernberg ist einer der bekanntesten Spezialisten für das Borderlinesyndrom. Seit vier Jahrzehnten kümmert er sich um schwerkranke Patienten, denen ein Gefühl für die innere Einheit der eigenen Person fehlt. Sein eigener Lebensweg hat ihn darauf vorbereitet, diese Menschen zu verstehen.
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Bildnachweis Porträts:

Foto von Klaus Dörner: agenda (Michael Kottmeier)
Jellouschek, Moser, Petzold, Riedel, Rohde-Dachser, Stierlin, Willi: Stefan Blume
Birbaumer, D. Dörner, Hell, Prinz, Stern, Tausch: Mathias Ernert
Czikszentmihalyi: Ricardo Herrgott
Baltes: Nina Höffken
Kahneman, Kernberg, Solms: Jürgen Frank
Jaeggi: Ingmar Kurth
Schulz von Thun: Anja Lubitz
Leuzinger-Bohleber: Pat Meise
Yalom: Joseph Siroker
Kast: Judith Stadler

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