Auf einem großen Psychologenkongress im Mai 2008 in Chicago spricht Daniel Kahneman über die Zusammenarbeit zwischen Psychologen und Volkswirten. Er zeichnet ein eher kritisches Bild. Der Einfluss der Psychologie auf das prosperierende Feld der Behavioral Economics sei zwar unverkennbar, räumt er ein, aber immer noch wüssten Psychologen mehr über Volkswirtschaftstheorie als umgekehrt: „Derzeit ist die Kommunikation zwischen Psychologen und selbst Verhaltensökonomen eher spärlich.“
Einige Monate später bei einem Gespräch in seinem Haus in Princeton zeigt er sich deutlich optimistischer. „Mit meiner Aussage im Mai lag ich daneben“, gibt er freimütig zu. Ein Seminar im Sommer habe seinen Sinneswandel bewirkt, erzählt er. Dort hat er den jungen Harvard-Ökonomen Sendhil Mullainathan getroffen. Von dessen Forschung über Entscheidungsverhalten bei Armut ist er begeistert. Das sei brillante Arbeit, schwärmt er, die sich neuester psychologischer Erkenntnisse bediene.
Daniel Kahneman ist wie kein Zweiter qualifiziert, über das Verhältnis von Psychologie und Volkswirtschaftslehre zu sprechen. Während seiner Karriere hat er sich immer wieder im Grenzgebiet zwischen den beiden Disziplinen bewegt. Viele der Arbeiten des Psychologen werden dem Gebiet der Behavioral Economics zugerechnet, die sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen befasst. Im Jahre 2002 erhielt Kahneman den Nobelpreis in Ökonomie „für das Einführen von Einsichten der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft, insbesondere im Bereich Urteilen und Entscheiden bei Unsicherheit“, wie es in der offiziellen Begründung hieß. Die von Kahneman zusammen mit seinem 1996 verstorbenen Kollegen Amos Tversky entwickelte Prospect Theory (siehe Kasten Seite 72) sowie ihre Arbeiten zu Heuristiken hinterfragen das traditionelle Menschenbild des Homo oeconomicus und liefern eine alternative Sichtweise, die näher am realen menschlichen Verhalten liegt. Kahnemans Arbeiten inspirierten eine neue Generation von Ökonomen, die Wirtschaftsakteure nicht als rationale Maschinen, sondern als atmende, fühlende – und manchmal irrende – Menschen betrachten.
Psychologie und Volkswirtschaftslehre, diese Paarung taucht in Kahnemans Biografie schon relativ früh auf: Bereits bei einer Berufsberatung, die er am Ende seiner Schulzeit in Anspruch nahm, kristallisierten sich diese beiden Fächer als Studienempfehlungen heraus. Kahneman erinnert sich noch gut, dass der Berater ihm psychologische Begabung sowie Talente im quantitativ-mathematischen Bereich attestierte. Rein äußerlich könnte er heute durchaus als Ökonom durchgehen. Er strahlt eine unaufgeregte und zurückhaltende Autorität aus, die man auch von Chefvolkswirten oder Zentralbankern kennt. „Die Volkswirtschaftslehre hat mich aber nie wirklich angezogen“, betont er. „Als meine Berufung betrachtete ich ganz klar die Psychologie.“
1934 als Sohn jüdisch-litauischer Eltern in Tel Aviv geboren, wuchs Kahneman in Frankreich auf. Es war eine Kindheit, die ganz von den Schrecken der Naziokkupation überschattet wurde. Diese Zeit hat er eindrucksvoll in einem autobiografischen Aufsatz beschrieben. Die Familie lebte in ständiger Angst vor Verhaftung, Internierung und Tod und musste sich immer wieder verstecken. Wenige Wochen vor der Befreiung des Landes verstarb der Vater an einem mangelhaft behandelten Diabetes. Da war der Sohn gerade zehn Jahre alt. Zwei Jahre später wanderte Kahneman mit Mutter und Schwester nach Palästina aus, wo die Verwandten lebten. Dort fand er endlich das sichere, normale Leben, das er so lange vermisst hatte. Er gewann Freunde, und er genoss die intellektuellen Herausforderungen in der Schule. Insbesondere philosophische Fragen beschäftigten ihn: Was ist der Sinn des Lebens, existiert Gott, warum soll man sich moralisch einwandfrei verhalten? Dann entdeckte er, dass er sich eigentlich mehr für die psychologischen Aspekte interessierte: Warum glaubt der eine an Gott und der andere nicht, woher nehmen Menschen ihre Überzeugungen, was richtig oder falsch ist? Diese Leidenschaft für psychologisch-philosophische Fragen hat ihn bis heute nicht verlassen.
Das Studium (Hauptfach Psychologie, Nebenfach Mathematik) absolvierte Kahneman an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Für den Studenten war es eine wunderbare Zeit. Er entdeckte die Arbeiten des Sozialpsychologen Kurt Lewin, die ihn bis heute stark beeinflussen, und staunte über die Erkenntnisse der Neuropsychologie. Mit dem Universitätsabschluss in der Tasche trat er 1954 seinen Wehrdienst in der psychologischen Abteilung des Militärs an. Dort half er, vielversprechende Kandidaten für die Offizierslaufbahn zu identifizieren. Seine Hauptaufgabe aber war, ein Verfahren für das Eingangsinterview von Rekruten aller Kampfeinheiten zu entwickeln. Er besuchte zahllose Verbände und trug Berge von Daten zusammen, die er mit komplexen statistischen Verfahren analysierte. Dass man einen gerade mal 21-jährigen Leutnant damit beauftragte, ein Interviewsystem für die gesamte Armee zu entwickeln, sei durch den Mangel an erfahrenen Wissenschaftlern im damals noch jungen Israel zu erklären, meint Kahneman bescheiden. Zweifellos fiel die Wahl seiner Vorgesetzten auf einen talentierten jungen Mann: Das von ihm entwickelte Interviewsystem wurde vom Militär über viele Jahrzehnte hinweg nahezu unverändert benutzt.
Das Interesse an Problemen mit Bezügen zur realen Welt blieb Kahneman auch nach der Militärzeit erhalten. Während seiner gesamten Berufslaufbahn sei es für ihn sehr wichtig gewesen, sich mit praktischen Fragen zu befassen, betont er: „Ich glaube, das ist sehr typisch für Menschen, die in Israel aufgewachsen sind. Es gibt dort eine starke pragmatische Orientierung, die auch Akademiker teilen. Angewandte Forschung genießt dort ein viel höheres Prestige als beispielsweise in den Vereinigten Staaten.“
So ist es nur konsequent, dass sein weltweiter Ruhm in einem Graduiertenseminar zur „Anwendung von Psychologie auf reale Probleme“ begann, das er 1968 an der Hebräischen Universität hielt. Nach Abschluss seines zweijährigen Militärdienstes hatte er einen Doktortitel an der University of Berkeley in Kalifornien erworben, sein erstes eigenes wissenschaftliches Labor an der Universität in Jerusalem eingerichtet und seine Forschungsexpertise in weiteren Studienaufenthalten im Ausland abgerundet. Mittlerweile war er 34 Jahre alt und liebte seine Arbeit als Dozent. Zum Seminar über angewandte Psychologie lud er seinen vier Jahre jüngeren Kollegen Amos Tversky ein, den Studenten über die Entwicklungen im Bereich Urteilen und Entscheidungsfindung, in dem Tversky Experte war, zu berichten. Es war der Beginn einer in der Psychologie wohl einmaligen wissenschaftlichen und menschlichen Kooperation.
Tversky referierte über Versuche seines Mentors Ward Edwards zur Frage, wie Menschen Urteile über Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen bilden. Edwards hatte aus den Ergebnissen seiner Experimente geschlossen, dass Menschen „konservative Bayesianer“ sind, das heißt, dass sie ihre Schätzungen unter Berücksichtigung neuer Informationen zögerlich, aber kontinuierlich verbessern. In der Klasse entspann sich eine hitzige Diskussion über den Realitätsgehalt und die Grenzen dieser These. Beim anschließenden Lunch entschlossen sich Kahneman und Tversky, gemeinsam an einem realitätsnäheren Ansatz zu arbeiten.
Im Jahr darauf machten sie sich daran, die statistische Intuition von mathematisch geschulten Menschen zu untersuchen. Es war der Auftakt zu einer mehr als zehnjährigen Periode, in der die beiden Wissenschaftler ein ganzes Forschungsfeld neu definierten und eine Folge wegweisender Arbeiten veröffentlichten. Die ersten gemeinsamen Arbeiten reichten sie bei psychologischen Journalen ein. Ein Artikel über drei grundlegende Heuristiken, der 1974 im Wissenschaftsmagazin Science erschien, machte sie auch bei Philosophen und Ökonomen bekannt. Noch aufmerksamer wurden die wirtschaftswissenschaftlichen Kollegen, als Tversky und Kahneman 1979 einen Aufsatz zur Prospect Theory in Econometrica, einem der renommiertesten und mathematisch anspruchsvollsten Ökonomiejournale veröffentlichten. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Volkswirtschaftslehre zu beeinflussen, betont Kahneman im Rückblick. Econometrica sei einfach die beste Publikation für Artikel zur Entscheidungstheorie gewesen. Wie wichtig ihre Arbeiten für die Nachbardisziplin waren, hätten sie erst gemerkt, als immer mehr Ökonomen darüber sprachen.
Wenn er über seine Zeit mit Amos Tversky spricht, nimmt Kahnemans Stimme eine warme Tönung an. Seinen Freund und Kollegen beschreibt er als brillanten Mann mit einem außerordentlich klaren Verstand und einem untrüglichen Gespür für die richtige Richtung. „Und er war witzig. Es machte einfach Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Wir brachten uns ständig gegenseitig zum Lachen.“ Die größte Freude dieser Zusammenarbeit sei jedoch das gegenseitige Verständnis für die Gedankengänge des anderen gewesen. „Wir verstanden den anderen oft besser, als wir uns selbst verstanden.“
Regelmäßig kam es vor, dass der eine eine vage Idee in den Raum warf, von der er nicht wusste, ob sie zu etwas führen würde. Der andere aber sah ganz klar, was in dem Geistesblitz steckte. Die beiden Freunde machten alles zusammen, was zu wissenschaftlicher Arbeit gehört: konzipieren, probieren, schreiben, überarbeiten. Über die Jahre verbrachten sie unzählige gemeinsame Stunden voller Lachen und Inspiration – und waren dabei außerordentlich produktiv. „Zusammen waren wir besser als jeder von uns allein“, so Kahneman. „Und das war uns auch bewusst.“
1978 heiratete Daniel Kahneman die englische Psychologin Anne Treisman, die sich mit ihrer experimentellen Aufmerksamkeitsforschung einen Namen gemacht hatte. Beide Eheleute erhielten Rufe an die University of British Columbia und siedelten nach Vancouver um. Im selben Jahr nahm Amos Tversky ein Angebot der Stanford University an und zog mit seiner Frau nach Kalifornien. Nun lagen 1200 Kilometer zwischen den Arbeitskollegen. Sie waren entschlossen, ihre Kooperation dennoch aufrechtzuerhalten. Mehrmals täglich telefonierten sie miteinander und verbrachten jedes zweite Wochenende zusammen. Es gelang ihnen, ihr Werk um weitere wichtige Konzepte zu ergänzen. Doch nach ein paar Jahren schlief die Zusammenarbeit ein.
Freimütig spricht Kahneman über das Gefühl von Bedauern, das beide Freunde danach befiel: „Wir hatten wohl unterschätzt, wie wichtig es für unsere Arbeit war, physisch zusammen zu sein. Als wir geografisch getrennt waren, hat unser Zauber einfach nicht mehr funktioniert.“ Das Leben ging weiter, und beide brachten auch unabhängig voneinander sehr gute Forschung hervor. „Aber wir wussten beide, dass wir wohl bessere Arbeit geleistet hätten, wenn wir zusammengeblieben wären.“ Die Krönung der gemeinsamen Arbeit, die Verleihung des Nobelpreises, hat Amos Tversky nicht mehr erlebt. 1996 verstarb er im Alter von 59 Jahren an Krebs. Als Kahneman am 8. Dezember 2002 die Auszeichnung in Stockholm entgegennahm, versäumte er nicht, im ersten Satz seiner Rede an die lange und ungewöhnlich enge Zusammenarbeit mit Tversky zu erinnern.
Der Nobelpreis. Es gibt keine wissenschaftliche Auszeichnung, die mit so viel Renommee verbunden ist. Forscher, die den Preis erhalten, wissen, sie haben es an die Spitze ihrer Profession geschafft. Das ist in Kahnemans Fall nicht anders. Ungewöhnlich ist die Verleihung an einen Wissenschaftler aus einer fremden Disziplin – was nicht heißt, dass die Wahl des Psychologen überraschend kam. Bereits zu Beginn der 1980er Jahre tauchte das Duo Kahneman/Tversky als mögliche Kandidaten auf den Listen des Nobelpreiskomitees auf. Spätestens 2001 gab es starke Signale aus Stockholm, dass der nächste Preisträger aus dem Bereich Verhaltensökonomie kommen würde.
Die Verleihung des Nobelpreises hat Kahnemans Namen eng mit den Wirtschaftswissenschaften verknüpft. So wird er immer wieder für einen Ökonomen gehalten und erhält zahlreiche Anfragen, zu wirtschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen. Es macht ihm nichts aus, so stark mit der Nachbardisziplin assoziiert zu sein. Er selbst lässt allerdings keinerlei Zweifel daran, dass er sich als Psychologe versteht. Über die Jahre hat er mit zahlreichen Ökonomen zusammengearbeitet und dabei systematische Unterschiede zwischen Vertretern der beiden Disziplinen festgestellt: „Der wirtschaftswissenschaftliche Glaube an menschliche Rationalität und die Funktionsweise der Märkte hat einen starken Einfluss auf die persönliche Haltung gegenüber der Welt.“ In den USA stünden Ökonomen beispielsweise politisch meist deutlich weiter rechts als die eher links ausgerichteten Psychologen.
Was bedeutet ihm Ruhm? Der 74-Jährige überlegt lange: „Eigentlich sehr wenig. Das Angenehme an Ruhm …“ Er zögert: „Der Begriff ist in meinem Fall ohnehin übertrieben, sagen wir Status. Status schützt vor kleinen Dingen. Wenn heute jemand einen sehr kritischen Kommentar über meine Arbeit schreibt, kümmert mich das kaum.“ Es ist kein Zufall, dass Kahneman ausgerechnet dieses Privileg renommierter Menschen nennt. Er hegt eine ausgeprägte Abneigung gegen Auseinandersetzungen. „Ich hasse Kontroversen“, sagt er voller Inbrunst und wiederholt es zur Bekräftigung gleich noch mal: „Ich hasse Kontroversen.“
Im Laufe seiner Karriere hat der friedliebende Wissenschaftler seinen Teil an Disput ausgetragen. Wie immer, wenn jemand einen neuen Ansatz präsentiert, der althergebrachtes Denken infrage stellt, zogen auch die Arbeiten von Kahneman und Tversky Zweifler auf den Plan. Zum Teil war die Kritik außerordentlich heftig. Die Einwände kamen weniger aus der Ökonomie und den anderen Sozialwissenschaften, in denen die Idee der Heuristiken recht schnell Akzeptanz fand, sondern vor allem aus der Psychologie selbst. Dort interpretierte mancher den Ansatz als Generalangriff auf die menschliche Rationalität. „Die Schlussfolgerungen, die andere aus unseren Arbeiten zogen, waren oft zu extrem“, meint Kahneman. „Man tat so, als hätten wir behauptet, dass Menschen irrational sind, obwohl wir das niemals gesagt haben.“ Einer der schärfsten Kritiker war Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, der argumentierte, dass die Idee der Heuristiken auf einem zu engen Rationalitätsbegriff beruhe und man kognitive „Fehler“ zum Verschwinden bringen oder zumindest abschwächen könne, indem man Informationen anders darstelle. Es entspann sich eine intensive Debatte.
Kahneman verheimlicht nicht, dass ihn der Ton mancher Angriffe, der seiner Meinung nach harscher war, als bei wissenschaftlichen Auseinandersetzungen sonst üblich, geärgert hat. Und Ärger ist ein Gefühl, das er überhaupt nicht mag. „Ich empfinde es als beschämend und erniedrigend, mich zu ärgern“, erklärt er. Seine Abneigung vor hochkochenden Emotionen ist so ausgeprägt, dass er es über weite Strecken seiner Laufbahn vermieden hat, als Gutachter für Artikel zu fungieren, die ihn aufregen oder erbosen könnten. Als Alternative zum typischen akademischen Schlagabtausch, in dem Wissenschaftler ihre Uneinigkeiten per Artikel und Gegenartikel austragen, schlägt er eine sogenannte gegnerische Zusammenarbeit (adversarial collaboration) vor. Er selbst hat diese Form des Teamworks, in dem Forscher ihre divergierenden Meinungen in einer gemeinsamen Veröffentlichung zu Papier bringen, mehrfach praktiziert. Dadurch sei nicht nur eine Menge Feindseligkeit und böses Blut verhindert worden, sagt er, sondern die beteiligten Parteien hätten auch viel voneinander gelernt.
In den letzten Jahren hat sich Kahnemans Arbeitsschwerpunkt auf die Glücksforschung verlagert. An der Princeton University, wo er seit 1993 lehrt, leitete er bis vor kurzem ein Forschungsinstitut, das Methoden entwickelt, mit denen man das subjektive Wohlbefinden großer Bevölkerungsgruppen messen kann. Wie seine früheren Arbeiten ist auch diese Fragestellung für Volkswirte hochinteressant. Die von Kahneman und seinen Kollegen konzipierte Day Reconstruction Method (DRM) kann beispielsweise genutzt werden, um das Glücksniveau ganzer Nationen zu berechnen. Kahneman denkt gern an diese Arbeit zurück: „Das war eine wunderbare Zeit. Wir hatten ein Team, und wir hatten eine klare Mission, nämlich eine Methode zu entwickeln, die von Ökonomen akzeptiert wird.“ Mittlerweile hat er die Leitung plangemäß an einen Wirtschaftskollegen abgegeben und ein neues Projekt zur Glücksforschung mit der Gallup-Organisation begonnen.
Auch politische Fragen interessieren ihn sehr. Lange Zeit hat Kahneman den Standpunkt vertreten, dass Ökonomen die „Gatekeeper“ zur Politik sind und sich Psychologen mit Ökonomen zusammentun müssen, wenn sie politisch Einfluss nehmen wollen. Seine These von der Pförtnerfunktion der Ökonomen hat er allerdings kürzlich revidiert. Der Sinneswandel ist während des Präsidentschaftswahlkampfes eingetreten. Zusammen mit anderen renommierten Psychologen hat er Vorschläge ausgearbeitet, wie man Barack Obamas Kampagne wirkungsvoller machen könnte. Dabei sei ihm bewusst geworden, wie sehr sich die Herangehensweise und die Schlussfolgerungen der Psychologie doch von Volkswirtschaftslehre und auch Marketing unterscheiden. „Mittlerweile bin ich überzeugt“, betont er, „dass die Psychologie einen ganz eigenen Beitrag leisten kann und dass es für die Psychologie eine Rolle in der Politik gibt, die außerhalb der Wirtschaftswissenschaften liegt.“
© Psychologie Heute 2010
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Psychologie Heute 4/2009, Seite 68 ff. Heft 4/09 bestellen
Fotos: Jürgen Frank
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