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Schwule mögen es männlich

Männer sind bekanntlich etwas schlicht gestrickt. Das gilt auch für ihre Schönheitspräferenzen – und zwar unabhängig von der sexuellen Orientierung. Für homo- wie für heterosexuelle Vertreter des starken Geschlechts gilt: Sie mögen es eindeutig. Schwule Männer stehen auf Geschlechtsgenossen mit ausgeprägt männlichen Gesichtszügen. Analog halten es heterosexuelle Männer bei der Beurteilung von Frauengesichtern: Je weiblicher das Antlitz geformt ist, desto attraktiver finden sie es.

Diese Gesetzmäßigkeit hat jetzt ein amerikanisch-britisches Forschungsteam um den Psychologen Aaron Glassenberg von der Harvard-Universität zutage gefördert. In ihrer Onlinestudie präsentierten die Forscher mehr als 900 Männern und Frauen Fotos von männlichen und weiblichen Gesichtern, bei denen mit einem Bildbearbeitungsprogramm entweder die maskulinen oder die femininen Züge hervorgehoben worden waren. Die Probanden sollten dann jeweils angeben, welches der beiden Gesichter sie stärker anzog.

„Unsere Arbeit zeigt, dass schwule Männer stark maskuline Gesichter von Männern signifikant attraktiver fanden als feminine Männergesichter“, resümiert Glassenberg. Schwule standen demnach auf Männerschädel mit markantem Kiefer, breiter Stirn und ausgeprägter Brauenpartie.

Heterosexuelle Männer hingegen fanden derart kantige Kirk-Douglas-Physiognomien nicht sonderlich hübsch – nicht beim eigenen und schon gar nicht beim anderen Geschlecht. Sie fühlten sich zu Frauen mit zarten Zügen hingezogen: zierliches Kinn, volle Lippen, schmale Stirn.

Lesbische Frauen entsprachen in ihren Vorlieben schon eher dem gängigen Klischee als schwule Männer: Sie wünschten sich Frauengesichter etwas maskuliner, als dies bei heterosexuellen Frauen (und Männern) der Fall war. Was Männergesichter anging, war es umgekehrt: Heterosexuelle Frauen wurden eher bei Kerlen mit mannhaften Zügen schwach, während lesbischen Frauen ein etwas weniger schnittiges Männerantlitz lieber war.

Insgesamt aber zeigten sich die Frauen in ihren Geschmäckern weitaus variabler als die Männer, sie waren nicht so eindeutig auf einen Typ festgelegt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass amouröse Präferenzen bei Frauen von einer kaum überschaubaren Vielfalt von Einflüssen abhängen, etwa vom Eisprung, der Einnahme von Verhütungsmitteln, der Einschätzung der eigenen Attraktivität und dem jeweiligen Ausmaß der Begierde. Frauen sind eben nicht ganz leicht zu entschlüsselnde Wesen. Aber wer hat das je behauptet?

Von Thomas Saum-Aldehoff
14. November 2009
Quelle: EurekAlert

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