Experten sind sich einig: Wir ernähren uns falsch und bewegen uns zu wenig. Die fortschreitende Epidemie der Fettleibigkeit, die in den westlichen Wohlstandsländern zu besichtigen ist, wird daher nicht nur auf eine zu hohe Aufnahme, sondern auch auf eine zu geringe Verbrennung von Kalorien zurückgeführt. Am zweiten Teil dieser Gleichung scheint jedoch etwas falsch zu sein, wie jetzt eine internationale Studie unter Federführung der Loyola University in Chicago nahelegt.
Die Ernährungswissenschaftlerin Amy Luke und ihre Mitforscher verglichen die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten von 174 afrikanischstämmigen Frauen aus den Vorstädten von Chicago mit denen von 149 Frauen, die im ländlichen Nigeria lebten. Trotz ähnlicher ethnischer Herkunft waren die Gewichtsunterschiede augenfällig. Während die nigerianischen Frauen im Durchschnitt 57,6 Kilo wogen, brachten die Geschlechtsgenossinnen aus Illinois sage und schreibe 83,5 Kilogramm (184 pounds) auf die Waage.
Die Forscher erwarteten daher, dass die nigerianischen Frauen während ihres Tagwerks mehr Bewegung hatten, während die Afroamerikanerinnen mehr Zeit im Sitzen verbrachten. Dies war jedoch nicht der Fall: Die Frauen aus Chicago verbrannten täglich 760, die Nigerianerinnen 800 Kalorien durch körperliche Betriebsamkeit – eine Differenz, die statistisch nicht ins Gewicht fällt. Wohl aber unterschieden sich die Zufuhr von Kalorien und die Zusammensetzung der Nahrung: Während die Mahlzeiten der Afrikanerinnen reich an Ballaststoffen und Kohlenhydraten waren, setzten sich die Konservengerichte der Amerikanerinnen zu 40 bis 45 Prozent aus Fett zusammen.
„Mangel an körperlicher Aktivität scheint nicht der Hauptantrieb der Fettleibigkeitsepidemie zu sein“, folgert Luke. Und Mitforscher Richard Cooper ergänzt im Umkehrschluss: „Wir würden nur zu gerne sagen, dass körperliche Aktivität einen positiven Effekt auf die Gewichtskontrolle hat, doch das scheint nicht der Fall zu sein.“ Bereits 2007 hatte eine in Jamaika durchgeführte Studie der Chicagoer Forscher keinen Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und Bewegung erbracht. Wer sich bewegt, verbrennt zwar mehr Nährstoffe – hat aber auch mehr Appetit. Wer abnehmen will, muss in jedem Fall weniger und anders essen.