Übergewicht – wirklich ungesund?
Werden die Gesundheitsgefahren überschätzt?
Schützen ein paar Pfund zu viel gar vor Krankheit?
Die zunehmende Fettleibigkeit in Deutschland und anderen Industrieländern alarmiert Politik und Medien. Keine Woche vergeht ohne die üblichen Mahnungen vor den schlimmen Gesundheitsfolgen von Übergewicht. Doch ein Forschungsteam der Universität Hamburg relativiert jetzt die Befürchtungen. Im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erstellten die Gesundheitswissenschaftler um Matthias Lenz eine systematische Übersicht der Befunde großer Meta- und Längsschnittstudien. In ihrer Analyse kommen sie zu dem Fazit, dass die Erkrankungsrisiken, die von – gemäßigtem – Übergewicht ausgehen, in der öffentlichen Wahrnehmung erheblich überschätzt werden. In mancherlei Hinsicht haben ein paar Pfunde zu viel sogar Vorteile.
Im Interview mit Psychologie Heute erläutert Lenz die wichtigsten Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht, Erkrankungsrisiken und Lebenserwartung.
PSYCHOLOGIE HEUTE Die Mehrheit der Deutschen gilt als übergewichtig. Hat diese Mehrheit eine geringere Lebenserwartung als die normalgewichtige Minderheit?
MATTHIAS LENZ Nein. Laut Statistischem Bundesamt hat die Mehrheit der Erwachsenen hierzulande einen Body-Mass-Index von 25 bis 25,9 und ist damit nach gängiger Definition übergewichtig. Unsere Analysen zeigen, dass die Lebenserwartung in diesem Gewichtsbereich bei gesunden Menschen nicht verringert ist.
PH Bis zu welchem Grad von Übergewicht besteht statistisch kein erhöhtes Risiko, früher zu sterben als der Rest der Bevölkerung?
LENZ Nach den Studiendaten ist ein Body-Mass-Index zwischen 22 und 28 mit der höchsten Lebenserwartung verbunden. Demnach wäre für eine 1,80 Meter große Person – egal ob Mann oder Frau – ein Körpergewicht zwischen 72 und 90 Kilo optimal, bei 1,70 Meter wären es 65 bis 80 Kilo. Das muss man sich einmal vorstellen! Viele Menschen fühlen sich mit 85 Kilo bei einer Größe von 1,80 Meter übergewichtig – und sind es nach gängiger Definition ja auch. Das Problem scheinen also die derzeit gültigen Normen für Normalgewicht zu sein. Man sollte bei einigen überflüssigen Kilos vielleicht nicht gleich von Übergewicht, sondern besser von „Wohlleibigkeit“ oder auch „Wohllebigkeit“ sprechen.
Das vollständige Interview mit Matthias Lenz finden Sie in der Februarausgabe von Psychologie Heute.
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