Ortho heißt „richtig“, orexis bezieht sich auf den Appetit. Anders als bei Anorexia nervosa (Magersucht) oder Bulimia nervosa (Ess- und Brechsucht) steht nicht die Quantität, sondern die Qualität der Nahrung im Vordergrund. Menschen wie Bratman denken stundenlang über gesunde Ernährung nach, meiden plötzlich ihre Lieblingsspeisen, weil sie meinen, sie seien ungesund, und erstellen für mehrere Tage im Voraus Speisepläne. Einladungen zum Essen oder Restaurantbesuche werden zum Problem.
Ähnlich wie Magersüchtige isolieren sich die Betroffenen zunehmend von ihrer Umwelt. „Die Menschen sind sehr auf das Thema gesunde Ernährung festgelegt und nehmen am Gesellschaftsleben nicht mehr richtig teil“, erklärt Maria Grill, Oberärztin an der Seepark-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Bad Bodenteich. „Das Thema verselbständigt sich, die Gedanken kreisen nur noch um das Essen. Dadurch wird die Lebensqualität stark eingeschränkt.“
Typisch für die Orthorexie ist eine ritualhafte Beschäftigung mit gesunden Lebensmitteln. Es bleibt nicht dabei, dass Menschen Vollwertkost essen, in Bioläden einkaufen und Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen meiden – sie sind von vermeintlich gesunder Ernährung regelrecht besessen. Lesen Sie mehr zur zwanghaften Beschäftigung mit „korrekter“ Ernährung – in der Aprilausgabe von Psychologie Heute.