Am Beispiel Brustkrebs wird deutlich: Die Wahrnehmung von Risiken in der Öffentlichkeit lässt sich manipulieren. Je nachdem, welche Zahlen zugrunde gelegt werden, bekommen wir Angst, oder wir beruhigen uns.
„Das Risiko, an Krebs zu erkranken oder zu sterben, wird häufig übertrieben“, kritisiert die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg. „Da werden imposante Zahlen herangezogen, die Relationen aber außer Acht gelassen.“
So erkrankt zwar jede zehnte Frau an Brustkrebs – sofern sie 80 Jahre alt wird. Diese Angabe des Lebenszeitrisikos fehlt häufig. Ebenso die Bezugsgröße: eine Million Frauen von wie vielen insgesamt? Ein Überblick über das Gesamtsterberisiko wird praktisch immer unterschlagen: So sterben von 100 Frauen nur drei bis vier Frauen an Brustkrebs, 45 bis 50 dagegen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 20 bis 25 an anderen Krebsarten.
In der Kommunikationspsychologie hat sich herausgestellt, dass Risikoinformationen, die den „Verlust“ (etwa: Sterblichkeit) statt den „Gewinn“ (etwa: Überleben) betonen, besser geeignet sind, Personen zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen. Gerade beim Thema Krebs ist das Ziel solcher Zahlenspiele offensichtlich:
„Je größer die Bedrohung durch Krebs erscheint, desto mehr Menschen nehmen Maßnahmen zur Früherkennung wahr“, so Mühlhauser. Da ist es nur logisch, dass von der Früherkennung ein eindeutig positives Bild gezeichnet wird: „Früherkennung kann Leben retten!“ – „Starker Rückgang der Todesfälle durch Früherkennung.“ – „Je früher erkannt und behandelt, desto besser die Heilungsaussichten.“ So werden Vorsorgeuntersuchungen in Patientenbroschüren, auf Internetportalen, in den Medien oder im Arzt-Patienten-Gespräch beworben.
„Der Nutzen dieser Maßnahmen wird häufig überbetont, der Schaden dagegen völlig ausgeblendet“, sagt Mühlhauser. Auch hier kommt es darauf an, welche Zahlen man sich aus der Statistik herauspickt, und es zeigt sich, dass 20 Prozent nicht in jeder Hinsicht zwanzig von hundert sind …
Mehr zum Thema Risikokommunikation in der Gesundheitsvorsorge finden Sie in der Märzausgabe von Psychologie Heute.